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1 thoughts on “Volk Volksgemeinschaft AfD

  1. Gavin Armour Gavin Armour says:

    In den immer lauter und immer schriller werdenden Auseinandersetzungen die dieser Tage das Land erfasst haben sind Begriffe im Grunde Waffen Da wird das „christlich jüdische Abendland“ von Menschen verteidigt die ansonsten wenig Lust auf und noch weniger Ahnung von den hochkulturellen Dingen haben die sich hinter dieser nicht ganz astreinen Bezeichnung verbergen; es wird „Freiheit“ – vor allem die der Meinung – gefordert ohne jemals näher zu definieren worin diese Freiheit sich ausdrückt oder wohin sie führen soll; schließlich lernt man dies alles geschehe im Sinne des „Volkes“ bzw der „Volksgemeinschaft“ für die diejenigen die die gewählten Begriffe gern und häufig im Munde führen sich anmaßen zu sprechenEs tut gut daß sich eine ganze Riege von Wissenschaftlern und Journalisten die Mühe macht nicht nur diejenigen genauer unter die Lupe zu nehmen die die neurechten Thesen unters Volk bringen wollen und dafür die oben genannten Begriffe gern und viel im Munde führen sondern daß auch die Begriffe selbst genauer untersucht werden Michael Wildt Professor für Neueste Deutsche Geschichte an der Humboldt Universität zu Berlin nimmt sich in einem schmalen Band der Begriffe “Volk“ und „Volksgemeinschaft“ an untersucht sie in ihrem Entstehungskontext vor allem die Entwicklung vom herkömmlichen „Volk“ zur mittlerweile ideologisch vorbelasteten „Volksgemeinschaft“ wird dabei hervorgehoben und schließlich ein Einblick in die Verwendung durch die ’Alternative für Deutschland‘ kurz AfD gegeben der auch einordnet wie diese Nutzung zu beurteilen ist Dieser letzte Teil ist sicherlich derjenige der in seiner Tagesaktualität am ehesten zu vernachlässigen ist immerhin befindet sich die Partei Stand Mitte April 2017 im Sinkflug und wird von den erwarteten Erfolgen nur kleine Teile wirklich einfahren Doch die Exegese zum „Volks“ Begriff und die Erweiterung auf die Volksgemeinschaft ist großartig und jederzeit eine Lektüre wert denn diese Begriffe und ihre fröhlichen Urständ´ werden uns sicherlich noch eine Zeit lang begleitenDer Begriff „Volk“ suggeriert dem Zuhörer immer eine homogene Gemeinschaft die auf eine klar definierte jederzeit zur Zeugenschaft aufrufbare Geschichte vielleicht sogar ein Gen jedenfalls einen Determinismus zurückzuführen sei Wildt unterläuft zunächst genau diese Annahme indem er – beginnend bei philosophischen PlatonAristoteles Betrachtungen ebenso wie bei mythologischen ‚Das auserwählte Volk‘ – nachweist daß das „Volk“ immer schon eine Konstruktion gewesen ist Auch die Annahme „das Volk“ umfasse eine klar definierte Gruppe und darin beschreibe es diejenigen die bspw wählen dürften ist so nicht richtig Der ‚demos‘ also das Volk das wählen durfte umfasste in der klassischen Antike in jenen Stadtstaaten aus denen die Idee der ‚Demokratie‘ hervorging – Athen Sparta – den Anteil der männlichen Bevölkerung der wählen durfte Frauen Sklaven Kinder waren also grundlegend vom ‚demos‘ ausgeschlossen was den Begriff der „Volksherrschaft“ der sich in der Neuzeit aus dem der „Demokratie“ ableitete zumindest in Frage stellt wenn nicht gar unterläuftWildt verfolgt den Begriff von der Antike aus über den heute oft als reinen „Mechaniker der Macht“ verfemten Thomas Hobbes der ein erstaunlich modernes Staatsgebilde theoretisierte und darin einen ebenfalls modern anmutenden Begriff des „Volkes“ verankerte der aber natürlich noch voll und ganz auf der Ständegemeinschaft des Mittelalters beruhte bis hin zu Jean Jacues Rousseau dessen „Gesellschaftsvertrag“ es vorbehalten blieb erstmals ein „Volk“ als homogene Masse als Einheit zu beschreiben als eine Einheit die einen einigenden Willen äußert Und für die was Rousseau so sicherlich nicht imaginierte ein einziger Führer oder eine einzelne Gruppe Gruppierung sprechen könne In Folge der Französischen Revolution in der erstmals „das Volk“ sich gegen die Ständegesellschaft auflehnte sicherlich ein durchaus angängiges Unternehmen das nichtsdestotrotz schon damals von Denkern wie dem Maruis de Sade nicht nur angegriffen sondern geradezu genüsslich verhöhnt wurde Von dort geht Wildts Reise ins 19 Jahrhundert von welchem aus die Begriffe des „Volkes“ und der „Volksgemeinschaft“ dann ihre düsteren Karrieren begannen bis „das Volk“ in den ideologischen Bewegungen der „Völkischen“ wie den Nationalsozialisten zur exklusiven und andere ausgrenzenden Gruppe wurdeEs ist Wildt dabei besonders anzurechnen daß er sich die Mühe macht auch dorthin zu gehen wo es jeden vernünftigen Menschen nur noch gruselt Er untersucht die Konstruktion des Volksbegriffs unter den Bedingungen der Inklusion ebenso wie unter jenen der Exklusion unter denen er schließlich mörderisch werden kann Und soll Geht er dem Begriff „Volk“ eher philosophisch und geistesgeschichtlich nach so wird der der „Volksgemeinschaft“ durchaus in seinen historischen Kontexten untersucht Daß eine „verspätete Nation“ wie die deutsche geprägt durch Kleinstaaterei und ohne kulturellen oder machtspezifischen Mittelpunkt nicht definiert durch Grenzen – also als Nation nicht einzufordern – nicht einmal definiert durch eine Sprachgrenze müsste man doch große Teile der Schweiz Österreichs ja sogar kleinere Teile Frankreichs dazu zählen sich geradezu nach dem alles einigenden „Volk“ sehnt mag einleuchten Es war Denkern wie Herder Fichte Arndt auch Hölderlin oder Kleist vorbehalten das „deutsche Volk“ als solches zu denken doch Wildt weist noch einmal nach daß dieses „Volk“ von allem Anfang an ein konstruiertes eine Kopfgeburt warUmso einleuchtender daß die „Volksgemeinschaft“ von den Nationalsozialisten so unbedingt gefordert und gewollt wurde Die Logik nationalsozialistischen Denkens fordert das Völkische mit gnadenloser ausschließlicher Unbedingtheit um überhaupt die Grundlage der eigenen ideologischen Existenz zu begründen Das „Volk“ die „Volksgemeinschaft“ als Exklusionsmerkmal Natürlich auch als Merkmal der Inklusion doch Wildt weist ausdrücklich darauf hin daß es gerade den Nazis sehr darum zu tun war zu definieren wer eben nicht zu diesem Konstrukt dem Volk gehört Daß ein solch enger exklusiver Begriff schließlich geradezu zur Auseinandersetzung führen muß – schließlich muß sich ein sich selbst als „Herrenrasse“ aufspielendes Volk ja umgeben von geringwertigen Völkern wähnen die ihm ununterbrochen seine Überlegenheit neiden – liegt fast schon auf der Hand Es ist schließlich die „Schicksalsgemeinschaft“ zu welcher das Volk das ja nur mit einer Stimme spricht nämlich der des Führers verklärt wird die zu überleben nicht mehr wert und dem Untergang geweiht gewesen sei So kann mit dem Begriff „Volk“ der eben nie nicht einmal ex negativo eindeutig definiert werden kann sowohl der Angriff auf andere rechtfertigt werden wie man auch den eigenen Untergang die eigene Niederlage umdeuten kann zu einem schicksalhaften oder gar gottgewollten Ereignis Das „Volk“ zu schwach ergo dem Untergang geweihtIn der Auseinandersetzung mit der AfD und ihren rechtspopulistischen Vordenkern wie Götz Kubitschek ua fällt vor allem auf daß hier erneut eine enorme intellektuelle Anstrengung unternommen wird um „das Volk“ zu definieren Liest man diverse Interviews mit Kubitschek fällt auf daß in der Beschäftigung mit dem Volksbegriff der der „Nation“ ebenfalls wieder salonfähig wird Hinter beidem steckt auch ein Wunschdenken Das Sehnen nach einer Gesellschaft in der ein Konzept von „Männlichkeit“ gelebt werden kann das anschlußfähig ist an ein „heroisches Gefühl“ Man will wieder Werte etablieren die antimateriell spirituell rein geistig funktionieren Man solle für sein Land und das eigene Volk bereit sein zu sterben so ein Credo der „Neuen Rechten“ die Deutschland das deutsche Volk und die deutsche Nation auch und gerade dadurch definiert sieht daß es hier um etwas rein Geistiges gehe Ein Denken das sich nicht von ungefähr irgendwo im ausgehenden 19 und dem beginnenden 20 Jahrhundert zwischen Geistesgrößen wie Nietzsche Chamberlain Spengler und Jünger verortetMichael Wildts Analyse ist aber dort am interessantesten wo sie sich eben nicht auf tagespolitische Aspekte bezieht sondern sich der titelgebenden Begriffe eher übergeordnet in ihren historischen kulturellen und philosophischen Kontexten annimmt In diesen Zusammenhängen ist dies ein kluger und weiterführender Band


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Volk Volksgemeinschaft AfD [Download] ➹ Volk Volksgemeinschaft AfD Author Michael Wildt – Thomashillier.co.uk Wir sind das Volk Die Anderen nicht Der Historiker Michael Wildt über die Ambivalenzen und Abgründe des politischen Konzepts des Volkes»Wir sind das Volk« Das ist ein mächtiger und anspruchsvolle Wir sind das Volk Die Anderen nicht Der Historiker Michael Wildt über die Ambivalenzen und Abgründe des politischen Konzepts des Volkes»Wir sind das Volk« Das ist ein mächtiger und anspruchsvoller Satz vor allem in Volk Volksgemeinschaft PDF/EPUB ² einer Demokratie in der das Volk herrscht »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus« heißt es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Doch Wer ist das Volk Die wahlberechtigten Staatsbürgerinnen und Staatsbürger Die Demonstranten gegen die Diktatur in Leipzig im Oktober Die orangefarbenen Massen auf dem Maidan in Kiew die erfolgreich die Neuwahl des Präsidenten erzwangen In der langen Geschichte des Volkes wurde stets darum gestritten wer zu ihm gehörte und wer nicht Frauen zum Beispiel erhielten in den meisten Staaten erst im Jahrhundert das Wahlrecht Und was geschieht wie Sebastian Haffner fragte wenn das Volk die Demokratie nicht mehr will Die historisch politische Intervention von Michael Wildt lotet die Ambivalenzen und Abgründe des politischen Konzepts des Volkes aus sowie die rassistisch antisemitische Radikalisierung in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft Auf dieser Grundlage hinterfragt er die populistischen Äußerungen der AfD die sich lauthals auf das Volk beruft Auch hier geht es um verschiedene Volkskonzepte Die kulturell definierte Ausgrenzung von Minderheiten bei der AfD birgt die Gefahr radikaler Exklusion aus dem »Volk« Jedoch auch das Beharren darauf dass Volk 'demos' und nicht 'ethnos' sei gelangt über die tückische Imagination eines einheitlichen Volkes nicht hinaus Wäre es nicht stattdessen vielmehr an der Zeit Hannah Arendts Gedanken aufzugreifen und nicht das Volk sondern den Menschen und sein Recht Rechte zu haben in den Mittelpunkt unseres demokratischen Denkens zu stellen.